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Gastbeitrag: Ja zur Romantik – trotz Corona

Eine freie Trauung in Zeiten von Corona – das klingt nach einer großen Herausforderung und auch nicht wirklich romantisch. Doch was unsere Traurednerin Natascha erlebt hat, machte nicht nur sie sprachlos: Wo Liebe ist, da ist auch der Abstand kein Problem. Hier ist ihr Bericht.

Neulich erreichte mich ein Hilferuf der besonderen Art: Der große Tag eines Brautpaares drohte zu platzen. Die Hochzeit mit standesamtlicher Trauung war von langer Hand geplant, die Gäste eingeladen, die Vorfreude groß. Und dann kam das Corona-Virus und machte einen großen Strich durch die Rechnung. Doch die beiden wollten sich dadurch nicht unterkriegen lassen. Und: Sie wollten unbedingt, dass die 83-jährige Großmutter des Bräutigams Teil des großen Tages sein kann. Da er bei ihr großgeworden ist, nennt er sie liebevoll „Mama“.

Kommt Mama nicht aus dem Heim, kommt die Trauung vors Heim

Das große Problem: Wegen der Auflagen und Vorsichtsmaßnahmen war es für „Mama“ quasi unmöglich, ihr Altersheim zu verlassen. Deshalb konnte sie auch beim Standesamt nicht dabei sein. Und so haben wir gemeinsam einen Plan geschmiedet. Neulich habe ich im Blog bereits darüber erzählt. Das Brautpaar hat sich dafür entschieden, einen ungewöhnlichen Weg zu gehen: Sie haben kurzerhand mit einer freien Trauung die Hochzeit zur Großmutter gebracht – und zwar nicht ins, sondern vor das Altersheim.

Die Sonne strahlt ĂĽber so viel Romantik

Die Bedingungen waren perfekt: warmes Wetter und strahlender Sonnenschein. Im Vorfeld haben sich Bewohner*innen und Personal des Heims in der Nähe von Hannover schon mächtig ins Zeug gelegt. Stühle wurden – mit dem nötigen Abstand – aufgestellt und mit Luftballons dekoriert, außerdem zierte die Wiese vor den Balkonen ein riesiges Herz aus Ballons. Sogar einen Sektempfang hat die Heimleitung auf die Beine gestellt. Und in diese Szenerie passte die Ankunft des Brautpaares wunderbar hinein: sie in einem atemberaubenden weißen Kleid, er im perfekt sitzenden Anzug, das alte Auto festlich dekoriert. Seine „Mama“ durfte sogar mit dem Rollator auf die Wiese kommen und auf einem Stuhl Platz nehmen, ein paar Meter vom Geschehen entfernt.

Mit Abstand der schönste Tag

Bei der freien Trauung waren außer dem Brautpaar und „Mama“ die Eltern der Braut, Onkel und Tante sowie Trauzeugin und Trauzeuge anwesend – und natürlich ich, die Traurednerin. Die Zahl von zehn Personen konnten wir so einhalten. Am Zaun beobachteten weitere Gäste die Zeremonie. Mit Masken und Abstand, versteht sich. Doch beides bemerkte kaum jemand, sobald die Trauung begonnen hatte. Zu den Klängen von „The Rose“ zog das Brautpaar ein und eine magische Stimmung erfüllte die Wiese.

Eine Zeremonie, die sprachlos macht

Ich glaube, romantischer hätte es sich niemand vorstellen können, denn es fehlte nichts für eine rundum gelungene Zeremonie: die Brautkerze, der Ringtausch, sprachlose Gäste mit Tränen in den Augen – allen voran die Großmutter – und ein richtiger Hochzeitstanz am Ende. Sogar der verstorbene Vater fand einen würdevollen Platz in der Zeremonie. Das Ja-Wort war ein ganz besonderes und alle Beteiligten am Ende überglücklich, überwältigt und unglaublich dankbar dafür, was doch noch möglich war. Auch für mich war es sehr emotional. Von allen Trauungen, die ich bisher durchführen durfte, bleibt mir diese vielleicht am meisten in Erinnerung.

Liebe findet ihren Weg

Wenn ich nun zurückdenke, bekomme ich eine kleine Gänsehaut. Denn hier hat sich gezeigt, worum es wirklich geht: um die Liebe! Ein Paar, das nicht nur sich selbst liebt, sondern auch die wichtigsten Menschen im Leben. So hat sich ein Weg gefunden, um die Gesundheit der Liebsten zu schützen und dennoch gemeinsam den schönsten Tag im Leben zu genießen. Vor ungewöhnlicher Kulisse, unter widrigen Umständen und ganz anders als geplant, na klar. Doch das alles trat total in den Hintergrund.

Kreativ gegen Corona

Abstand, Masken und Infektionszahlen werden uns sicherlich noch eine ganze Weile begleiten. Doch die Trauung vor dem Altersheim hat mir auch viel Hoffnung gemacht. Mit kreativen Ideen und mit Rücksicht auf die Gesundheit ist es eben doch möglich, auch in den eigenartigsten Zeiten ein Fest für die Liebe zu feiern. Und was für eins!

 Alles Liebe

Eure Natascha

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